Barfußschuhe für Kinder: Verliebt in Wildling Schuhe

Wer sich ein bisschen in der Barfußläufer-Szene herumtreibt, hat mit Sicherheit vor einigen Monaten von der Wildlinge Kickstarter Crowdfunding Kampagne gehört. Ein sympathisches Startup-Familienunternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, echte Barfußschuhe für Kinder auf den Markt zu bringen.

Barfußschuhe für Kinder sind immer noch die Ausnahme

Viele Anbieter von Barfußschuhen (oder zumindest Minimalschuhen) für Kinder gibt es ja leider noch nicht, obwohl immer wieder propagiert wird, dass die Kleinen so lange es geht barfuß, in Stoppersocken oder Lederschluppen herumlaufen sollen. Kaum können sie aber richtig laufen, und es wird nass oder kalt draußen, stecken wir ihre Füße in Schuhe. Diese sind meistens zu eng, zu fest oder zu stabil, und obendrein mit diversen stützenden „orthopädischen“ Elementen versehen. Und schon ist es vorbei mit dem Barfußlaufen, dem Spüren vom Untergrund, der Beweglichkeit der Füße und dem Aufbau der Fußmuskulatur.

Da wir selbst bemüht sind, Schuhe mit wenig bis null Sprengung (Absatzhöhe) zu tragen, fällt es uns umso schwerer zu akzeptieren, dass es keine Barfußschuhe für die Kleinsten geben soll. Zum Glück hat sich in der letzten Zeit einiges auf dem Markt getan: Ein paar bekannte Barfußschuh-Anbieter haben Modelle für Kinder ins Sortiment aufgenommen, ein e-Shop für Kinder-Barfußschuhe ist online gegangen, die eine oder andere Marke von Übersee (z.B. MyMayu) findet ihren Weg auf den deutschen Markt, und andere Marken sind dabei sich zu gründen und Fuß zu fassen.

Mit Crowdfunding zu Kinder-Barfußschuhen

Eine davon sind Wildling Shoes mit ihren herrlich weichen, wilden Kinderschuhen von Größe 23 bis 41, und ihrer einfach wunderbar unkomplizierten, freundlichen Art. Wir haben uns von Anfang an in die Idee, die Philosophie und den Look der Schuhe verliebt, unterstützten das Projekt mit dem Invest (und Erwerb) von zwei Paar Schuhen und fieberten bei der Produktentwicklung und Produktion mit. Nun haben die Schuhe aus einer der ersten Chargen ihren Weg zu uns gefunden und wir konnten sie ausgiebig testen: ein Paar Wildlinge für mich, das Wintermodell ohne Fütterung, und ein Paar für unsere 4-Jährige Tochter, ein Frühlingsmodell.

Der Weg zur ersten Wildling-Schuh-Auslieferung war für die beiden Macher, Anna und Ran, mit Sicherheit nicht einfach. Sie haben stets offen und transparent über Verzögerungen und Produktionsschwierigkeiten kommuniziert und vor allem ihre Wildling-Fans von Anfang an mit einbezogen. Das Gros an Kommunikation verlief über Kickstarter und  die Wildling-Facebook Seite: Wie das Versandmaterial aussehen soll, welche Namen die zukünftigen Modelle tragen könnten, ob Interesse an einer Woolie-Variante besteht und ob auch kleinere Modelle produziert werden sollten. Viele Ideen wurden aufgenommen, erstaunlich viel wurde sofort umgesetzt, oder fließt zumindest in die weitere Produktentwicklung mit ein. Da kann man nur sagen: thumbs up!

Wir als Crowdfunder hatten immer das Gefühl mittendrin zu sein, statt „nur“ Schuhe bestellt zu haben. Schwierig wurde es für uns zu Hause, als sich die Lieferung etwas verzögert hatte und meine Schuhe vor den Schuhen unserer Tochter ankamen. Die Kleine konnte es kaum erwarten und fragte mich unübertrieben jeden Tag, ob die Post noch kommt. Als die Schuhe dann endlich da waren, habe ich sie natürlich kaum mehr von ihren Füßen bekommen, selbst im tiefsten Schnee nicht. Nun haben wir aber das nächste Problem: Unser Jüngster möchte jetzt natürlich auch solche Schuhe haben, nur sind seine Füße leider noch einen Tick zu klein. Da hilft nur wachsen…

Wildlinge für den Alltag, (noch?) nicht für den Winter in den Bergen

Zu unseren Wildlingen an sich: Wir lieben sie! ABER: Wir wohnen an einem steilen Hang in den Bergen, wo im Winter Schnee liegt. Mitunter viel Schnee. Deshalb ist unsere ganz persönliche Anforderung an einen guten Schuh auch, dass er entsprechend viel Grip bietet. In der Hinsicht wird man auf dem Barfußschuh-Markt leider kaum fündig und auch die Wildlinge sind definitiv nicht als Winter-Boots konzipiert. Das sieht man auf den Bildern hier:

Wildling_Grip-auf-Schnee-Barfuß-Schuhe

Die Wildling-Abdrücke sind von mir. Ich schaffte es kaum die Füße gerade zu stellen und landete zur Freude unserer Kinder ziemlich schnell auf meinem Hintern im Schnee (zu erkennen am eher großen, runden Abdruck). Die beiden Kids haben Kamik-Boots getragen und sind sicheren Fußes geradewegs hinuntergelaufen. Das ist aber kein Wunder, wenn man die Profile der Schuhe miteinander vergleicht. Ich versuche schließlich auch nicht mit Flip Flops über ein steiles Schneefeld zu spazieren.

Trotz mitgelieferter Imprägnierung auf Basis von Bienenwachs-Öl hatte ich nach der ersten Schneematsch-Pfütze außerdem nasse Füße. Kälte hingegen ist (selbst ohne Wollfütterung) kaum ein Problem, man muss nur in Bewegung bleiben und dicke Socken anziehen. Feuchte Grashänge sind leider auch unangnehm (davon gibt es hier im Allgäu nun mal zuhauf), das Wasser dringt sofort ein und es fehlt der Grip. Aber, wie gesagt, für solche „Extremsituationen“ sind die Wildlinge nicht ausgelegt.

Und wisst ihr was? Dass die Schuhe im Schnee wenig Grip bieten, ist mir herzlich egal. Im Winter kommen wir hier im Allgäu um Winter-Boots sowieso nicht herum und beim wilden Pfützenspringen kann man auch mal Gummistiefel tragen. Die eierlegende Wollmilchsau (= Barfußschuhe mit Grip, gleichzeitig weich, beweglich, mit großem Zehenraum, ohne Sprengung, in einem coolen Look, im Sommer kühl und luftig, im Winter warm und kuschelig, und am besten gleichermaßen fürs Wandern und Lauftraining geeignet – und natürlich vegan, nachhaltig produziert und kostengünstig, in Größe 18 bis 46, oder nein, besser: mitwachsend) gibt es leider nicht. Geht auch gar nicht. Aber Wildling Shoes sind mit ihrer Vision auf dem besten Weg dorthin.

Wildlinge zum Toben, Rennen und Klettern

Wir tragen unsere Wildlinge sehr gerne im (trockenen) Alltag, weil sie a) cool aussehen und b) total bequem sind. Unsere Große kann damit toben, rennen, klettern, tanzen und sie hat damit Fahrradfahren gelernt. Außerdem finden wir Mädels es lustig, dass wir beide die gleichen Schuhe haben.  Es gibt nur wenige Barfußschuhe, die mir optisch gefallen und die so weich sind, dass ich wirklich das Gefühl habe barfuß zu gehen. Die Wildling Schuhe zählen definitiv dazu.

Natürlich gibt es hier und da noch Optimierungsbedarf, aber das meiste davon befindet sich bereits in der Umsetzung und ist deshalb auch nicht weiter erwähnenswert. Ich bin eigentlich überrascht wie gut die Wildlinge der ersten Stunde gelungen sind, wie wenig Macken sie haben. Schließlich darf man nicht vergessen, dass es sich um das allererste Produkt von Wildling Shoes überhaupt handelt, die allererste Produktionsreihe. Dass es an der einen oder anderen Stelle noch zwickt, ist vor dem Hintergrund doch selbstverständlich.

Was mich viel mehr interessiert: Was haben Anna und Ran für die Zukunft geplant? Wie werden die Sommerschuhe aussehen? Wird es Sandalen geben? Kommen auch wasserfeste (also richtig „matschbare“) Schuhe dazu? Oder gar Winterschuhe mit etwas mehr Profil für den Grip im Schnee?

Ich freue mich jedenfalls schon auf alle weiteren Wildling-Modelle, von denen mit Sicherheit auch wieder das eine oder andere Paar seinen Weg zu uns nach Hause finden wird. Anna und Ran wünsche ich weiterhin viel Erfolg, Durchhaltevermögen und Kreativität. Und den Kindern wünsche ich noch viel mehr solcher coolen und bequemen Barfußschuhe!

Wer sich für die Gesichter hinter Wildling Shoes interessiert, findet hier ihre Geschichte. Auf der Wildling Shoes Website könnt ihr die aktuellen Modelle bestellen.

2 Gedanken zu „Barfußschuhe für Kinder: Verliebt in Wildling Schuhe

  • 04/12/2016 um 11:59 am
    Permalink

    Ich finde es schön, dass es mittlerweile auch fußgerechtes Schuhwerk für Kinder gibt. Barfußschuhe für Erwachsene gibt es ja schon etwas länger. Es ist aber wichtig, dass Kinder und Erwachsene wenn sie barfuß oder in Barfußschuhen gehen auch tatsächlich über den Vorfuß also im Ballengang gehen, um das natürliche Dämpfungssystem aus Quer- und Längsgewölbe zu verwenden. Wechseln Erwachsene oder ältere Kinder auf Barfußschuhe und rollen weiter orthopädisch von der Ferse nach vorne ab ist das sogar ungesund wenn nicht sogar gefährlich. In dem Fall wird das natürliche Dämpfungssystem nicht genutzt und der Schlag geht direkt von der Ferse durch die Knochenkette bis in den Kopf. Dann besser doch bei normalen Schuhen für Fersengänger bleiben und mit deren Nachteilen leben.

    Antwort
    • 04/12/2016 um 6:54 pm
      Permalink

      Vielen Dank für den guten und wichtigen Hinweis, dem können wir nur zustimmen. Es dauert mitunter Jahre bis sich die Füße und die Gangart wieder umgewöhnt haben. Da braucht es viel Geduld. Wir selbst variieren auch immer noch zwischen 0 und 8 mm Sprengung, je nach Einsatzzweck, Trainingszustand, Lust und Laune. Aber mittlerweile kommen zumindest bei mir die Knieschmerzen eher bei mehr Sprengung als bei wenig Sprengung. Am Ende ist alles eine Frage der Gewöhnung und des Trainings. Nur erzwingen sollte man hier nichts.

      Antwort

Kommentar verfassen