Zur Hirschbrunft in den Schweizerischen Nationalpark

Wenn die Kühe Anfang September von den Bergwiesen hinab in die Täler getrieben werden, werden vielerorts Feste gefeiert. Manch einer mag das lustige Treiben etwas wehmütig betrachten, läutet doch die Viehscheid (Almabtrieb) das Ende des Bergsommers ein. Doch nicht nur die Kühe im Tal und ihr lautes Schellen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass sich der Herbst ankündigt. Auch in den Wäldern wird es laut, wenn die Hirschbrunft beginnt und die Hirsche um die Gunst der Weibchen um die Wette röhren.

Hirschbrunft in den Schweizer Alpen

Röhrende Hirsche in freier Wildbahn wollten wir schon seit langem beobachten, trauten uns aber nie so recht zu früher oder später Stunde in den Wald. Nicht wegen der wilden Tiere, wir hatten vielmehr Sorge, dass wir vom Jäger mit Wild verwechselt werden könnten. Im Schweizerischen Nationalpark im Engadin ist das zum Glück anders, dort wird ein echter Hirschbrunft-Tourismus gepflegt. Da die Jagd streng reglementiert ist, wagt sich das Rotwild auch tagsüber hinab in die Täler. Von extra geschaffenen Aussichtsplätzen haben die Schaulustigen einen guten Blick auf das Spektakel. Erfolgsquote: sehr hoch! Also ideal, um auch mit kleinen Kindern Hirsche in ihrer ganz natürlichen Umgebung zu beobachten.

Aus unserem Vorhaben wurde schnell ein echtes Familien-Freunde-Erlebnis-Wochenende in der Schweiz inklusive Hüttenübernachtung im Nationalpark. Passend zum Herbst fielen kurz vor unserer Abreise die Temperaturen merklich, es wurde nass, und hoch oben am Pass schneite es. Um auf Nummer sicher zu gehen, statteten wir die Kinder also bereits Anfang September für den bevorstehenden Winter neu aus – und wir bereuten es nicht. Es war echt kalt! Unser Gepäck bestand hauptsächlich aus warmen, wasserfesten Schuhen und diversen Schichten fürs Zwiebelprinzip. Die obligatorischen Motivations-Kekse nicht zu vergessen. Viel mehr konnten wir auch nicht mitnehmen, denn es war von vornherein klar, dass wir den letzten Shuttle zur Parkhütte Varusch wahrscheinlich nicht rechtzeitig erreichen werden.

Der Aufstieg zur Hütte erfolgte in etwa 45 Minuten zu Fuß über einen Fahrweg. Mit müden Kindern bei Regen im Dunkeln war das nicht ideal (Stirnlampen und bunte Regenschirme bewirken Wunder), aber auf der Parkhütte Varusch waren die Strapazen der Anreise dank einer großen Schüssel Backerbsen-Suppe und der urgemütlichen – leider auch völlig überteuerten – privaten Schlaflager schnell vergessen.

Die Big Five der Alpen

Am nächsten Morgen ging es frisch gestärkt und dick eingepackt im leichten Regen ins Val Trupchun zu den Hirschen. Der Weg verläuft immer geradeaus, entlang eines wildromantischen Flusses, dem Ova da Trupchun. Von Anfang an hieß es Augen aufhalten, haben wir den Kindern doch unsere BIG FIVE des Nationalparks versprochen: Hirsche, Murmeltiere, Gämsen, Steinböcke und Bartgeier (Bären wollten wir nicht begegnen, deswegen haben wir sie in unserer Aufzählung schön außer acht gelassen).

Insgesamt sollte die Tour etwa vier Stunden dauern, gebraucht haben wir mit den Kindern… den ganzen Tag. Es gab aber auch so viel zu sehen! Die Hirsche röhrten links und rechts von uns im Tal um die Wette, ab und zu spitzten Murmeltiere aus dem Bau und weiter hinten im Tal hatten wir Glück und konnten sogar den versprochenen Bartgeier, Gämsen und Steinböcke entdecken. Ein weiteres Highlight für die Kinder war das „Skifahren“ auf einer kleinen Schuttreiße. Unser Jüngster hätte die Schuttreiße wahrscheinlich am liebsten mit nach Hause genommen. Gegen Ende der Tour hatten die Kinder genug von den Hirschen und erfreuten sich vor allem daran, die vielen Touristen mit ihren teilweise riesigen Ferngläsern zu beobachten.

Nach einem weiteren Abend mit Backerbsen-Suppe und einer schlaflosen Nacht auf durchgelegenen Matratzen (wir hatten leider das Vierbett-Zimmer erwischt), stiegen wir gemütlich über einen Pfad hinab zum Parkplatz. Dort im Wald gibt es übrigens einen wunderschönen Waldspielplatz mit einer langen Holzkugelbahn, und direkt daneben einen großen Picknickplatz. Perfekt zum Austoben vor der langen Heimfahrt.

Die Tour ist übrigens auch ohne Hüttenübernachtung machbar. Die genauen Tourdaten und weitere Informationen findet ihr hier.

Ein echtes Stückchen Schweiz zu Schweizer Preisen

Das Wochenende auf der Parkhütte Varusch war für uns ein echtes Highlight 2016 und einmaliges Erlebnis. Einmalig leider auch aufgrund der hohen Preise. Falls ihr euch für die Tour interessiert, vergesst nicht das Sparschwein rechtzeitig zu füttern. Auch können wir nur empfehlen, mindestens ein Jahr im Voraus mit der Planung zu beginnen, denn besonders zur Hirschbrunft ist die Parkhütte schnell ausgebucht. Und noch ein Tipp, falls ihr als Familie auf der Parkhütte Varusch übernachten wollt und kein Freund großer Schlaflager seid: Nehmt lieber zwei geräumige Doppelzimmer als das enge Vierbett-Lager.

 

Hinweis: Dieser Artikel ist im Rahmen der Blogparade vom Outdoor-Blog.org zum Thema „Euer (Outdoor-)Highlight 2016“ entstanden.
Lest den Outdoor Blogger Codex für mehr Informationen über Bloggertransparenz.

3 Gedanken zu „Zur Hirschbrunft in den Schweizerischen Nationalpark

  • Pingback: Euer (Outdoor) Highlight 2016, eine Zusammenfassung › Outdoor-Blog.org

  • 01/12/2017 um 12:41 pm
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    Das klingt sehr verlockend, ich denke ich sollte da auch mal mit meiner Tochter hinfahren.
    Danke das Du an meiner Blogparade teilgenommen hast.

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    • 01/12/2017 um 12:51 pm
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      Hallo Markus,
      wenn ihr die Gelegenheit habt, kann ich es euch wirklich nur empfehlen. Es ist ein einmaliges Erlebnis und in der Hütte URGEMÜTLICH. Erst gestern hat unser Jüngster (zwei Jahre alt) wieder das Foto von der Hütte rausgekramt und wollte „jetzt sofort“ wieder dorthin fahren. Besonders die röhrenden Hirsche waren für die Kinder beeindruckend – und natürlich die vielen Murmeltiere 🙂
      Liebe Grüße,
      Charlotte

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