Die Evolution der Mobilität: Vom Laufrad zum Fahrrad

So ist das eben mit dem Nachwuchs: Kaum haben Kinder das Laufen gelernt, schon streben sie nach völlig neuen Formen der Mobilität. Während wir Eltern nach dem richtigen Familien-Van Ausschau halten, erobern die Kleinen ebenfalls die Welt der rollenden Fortbewegungsmittel. Der Fuhrpark zu Hause wächst dabei genauso wie die technischen Ansprüche an das Material. Genügt zunächst ein einfaches Modell zum Schieben und Transportieren der Puppensammlung, folgt bald das klassische Bobby Car, um noch schneller von A nach B zu kommen. Nach ersten Erfahrungen geht es im Alter von zwei bis drei Jahren meist auf ein Laufrad, bevor es ab vier oder fünf Jahren endgültig auf ein echtes Fahrrad geht.

Any snow tires available? #aprildermachtwaserwill #spring #bobbycar #snowtires #porsche #winterreifen #draussen

Ein Beitrag geteilt von sport up your life! (@matschbar) am

Trainieren des Gleichgewichts

„Ist es wirklich wichtig, dass Kinder erstmal Laufrad fahren?“ Diese Frage wurde schon öfter gestellt – eine richtige Antwort gibt es nicht darauf. Sicherlich hat es aber einige Vorteile, wenn Kinder sich zunächst auf einem Laufrad versuchen können. Kinder lernen auf dem Laufrad (in halbwegs gemäßigter Geschwindigkeit) die nötige Kurven- und Lenktechnik für das Fahrradfahren. Und auch das Gleichgewichtsgefühl, sowie das (mehr oder minder richtige) Einschätzen für Geschwindigkeiten werden trainiert.

Fahren, Bremsen und Lenken

Doch was ist mit Bremsen? Die meisten Laufräder verfügen über gar keine Bremsen – und das aus gutem Grund. Kaum ein Kind im Alter von zwei bis vier Jahren hat ausreichend Kraft in den Händen, um eine normale Bremse über Hebel zu bedienen, zumal viele Bremshebel auch gar nicht für Kinder gemacht sind. Sie sind zwar klein und sehen so aus als wären sie geeignet, jedoch ist die Hebelwirkung für einen effektiven Zug meist nicht ausreichend. Ein Problem, das man später auch bei vielen Kinderfahrrädern (und bei Fahrrädern für Erwachsene) vorfindet.

Aber Lenken kann doch jeder… ja, klar. Aber auch hier gibt es Hersteller, die Kinder „langsam“ an dieses Thema heranführen. Sogenannte Lenkungsdämpfer (oft ein kleiner Gummizug zwischen Gabel und Rahmen) begrenzen den Einschlagwinkel des Vorderrads und bieten gleichzeitig ein Rückstellmoment. Für kleine „Grobmotoriker“ oder Wildfänge kann das ab und an wirklich hilfreich sein.

Wie ist es eigentlich um den Fahrkomfort bestellt? Auch hier gibt es viele Unterschiede zwischen den Modellen – genauso wie bei den Fahrrädern für Erwachsene. Nicht umsonst haben die meisten Erwachsenen Fahrräder mit Luftreifen und Federgabel oder gar ein Fully in der Garage stehen. Und die Kinder? Schon bei den Reifen und deren Profil sind die Möglichkeiten nahezu endlos.

Empfehlenswert sind auf jeden Fall Reifen mit Schlauch, da hier viele Unebenheiten und Erschütterungen weg-gedämpft werden. Kein Erwachsener würde sich heute mehr auf ein Fahrrad setzen, das ihn wie die erste „Draisine“ aus dem Jahr 1817 auf Holzreifen durchschüttelt.

Modellvielfalt Laufrad von Tourer bis Sportler

Auch wir haben in unserer Garage viele verschiedene Modelle stehen gehabt. Auffällig sind die unterschiedlichen Sitzpositionen und Rahmenvarianten, die auf dem Markt erhältlich sind. Sitzt das Kind bei manchen Modellen eher aufrecht, zeichnen sich andere durch ein langes Oberrohr und eine damit einhergehende, gestreckte Sitzposition aus.

Am meisten Spaß haben unsere Kinder am Kokua LIKEaBIKE – ein eher sportliches Modell mit Luftreifen, Lenkerdämpfer und Hinterachsfederung. Die Konkurrenten von Puky in der heimischen Garage hatten da das Nachsehen: unbequemer durch harte Reifen, kleinere und somit nicht so richtungsstabile Räder, und nicht so schnell und sportlich. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die aufrechtere Sitzposition für die ersten „Laufraderfahrungen“ deutlich besser ist. Vom Preis mal ganz abgesehen…

Radeln kann man im Endeffekt mit jedem Fahrrad lernen. Was bei unserem Kokua vor allem ins Auge sticht: die hervorragende Verarbeitungsqualität. Ideal für kleine Wildfänge, die das Material auf gar keinen Fall schonen.

Fahrrad mit Rücktritt oder Handbremse

Wie sieht das Ganze dann bei den „echten“ Fahrrädern aus? Wenn das Kind zuvor schon mit dem Laufrad unterwegs war, kann (und sollte!) man das Kapitel „Stützräder“ getrost überspringen. Viel wichtiger ist die Frage, wie kann der Nachwuchs am schnellsten (und vor allem am sichersten) wieder anhalten. Hier gibt es zwei wesentliche Unterschiede, die je nach Kind und Alter beachtet werden sollten.

Wie eingangs schon erwähnt, fällt es vielen Kindern schwer, mittels der Handbremshebel ausreichend zu bremsen. Besonders auffällig wird dies, wenn Kinder eine längere Abfahrt kontrolliert fahren sollen. Die Belastung in der Kinderhand wird durch den andauernden Zug sehr hoch. Abhilfe schafft eine Rücktritt-Bremse, die vor allem für kleinere/jüngere Kinder eine deutliche Empfehlung darstellt. Ein weiterer Faktor, der für eine Rücktrittbremse gerade bei Fahranfängern spricht, ist die Abstraktionsfähigkeit der Kinder: Das Zusammenspiel zwischen Fuß (beschleunigen) und Hand (bremsen) ist, gerade wenn das Kind vom Laufrad umsteigt (wo beides mit den Füßen geschieht), oft schwer zu begreifen.

Zu beachten ist jedoch, dass der Umstieg von Rücktrittbremse, wenn einmal gelernt, auf Handbremse, etwas tricky sein kann. Bis dahin sind die Kinder aber wieder etwas älter und kognitiv weiter. Bei unserer Tochter war die Umstellung nach zwei Nachmittagen geschafft.

(fehlendes) Gewicht ist für den Fahrspaß wichtig

Ein weiterer wichtiger Faktor neben Bremse und richtiger Rahmengröße ist das Gesamtgewicht des Fahrrads. Laut Statistiken wiegt der durchschnittliche vier- bis fünfjährige Fahrradanfänger zwischen 14 kg und 17 kg. Wenn man im Flachland wohnt und eher kleine Hügel als große Berge zu bezwingen hat, spielt vielleicht nicht jedes Gramm eine Rolle. Jedoch sollte man das Gewicht des Fahrrads in Relation zum Fahrer sehen.

Viele „Kinder-Anfänger-Fahrräder“ wiegen (je nach Größe) bis zu ACHT Kilogramm. In Relation zum Fahrer sind das gut 50% des eigenen Körpergewichts. Wenn ich das jetzt auf meine gut 80 kg hochrechne, so würde ich mit einem 40-kg-Rad fahren müssen. Solange es eben ist, wäre das machbar – aber wehe es geht bergauf.

Nebenbei sei erwähnt, dass ein normales E-Bike für Erwachsene 25 kg auf die Waage bringt (und es vielen zu schwer ist), ein gutes Fully-MTB um elf Kilogramm wiegt und ein Hightech Rennrad sogar nur sieben Kilogramm wiegt.

Auf was man bei der Auswahl und Einstellung des Fahrrads achten soll

Neben Gewicht und Bremse ist auch die gesamte Geometrie des Rahmens wichtig für ein ergonomisches, gesundes und vor allem freudiges Fahren. Dabei sind Höhe des Rahmens ebenso wichtig wie der Winkel und die Länge des Oberrohrs, die Höhe des Pedalhubs, die Lenkerhöhe, die Sattelhöhe und des Radstands.

Je niedriger das Oberrohr ist, desto wohler und sicherer wird sich euer Kind beim Fahren auf dem Fahrrad fühlen. Das liegt nicht nur an einem tiefen Schwerpunkt des Rads, sondern vor allem auch am subjektiven Eindruck, jederzeit leicht wieder absteigen zu können und nicht über einen hohen Rahmen steigen zu müssen.

Die Sitzhöhe bzw. die Sattelhöhe sollte so gewählt sein, dass BEIDE Füße (mindestens mit den Ballen) bequem bis auf den Boden reichen. So kann das Kind jederzeit sicher bis zum Stillstand bremsen und fällt auch nicht um. Im Gegenzug darf der Pedalhub aber die Knie auf keinen Fall höher als die Hüfte heben. Hier sind die Kurbellängen und mit diesen die Größe des vorderen Zahnkranzes entscheidend.

Eine kurze Kurbel bewirkt eine kleine Hebelwirkung und sorgt dafür, dass die Übersetzung zu einer effektiven Kraftumlenkung entsprechend angepasst werden muss. Ist der vordere Zahnkranz im Vergleich zum hinteren zu groß, wird sich euer Kind an Hügeln oder auch beim Fahren gegen den Wind sehr schwer tun, da weder ausreichend Gewicht des Kindes (im Verhältnis zur bewegten Masse) noch Kraft (über Hebel oder Muskel) vorhanden ist.

Die Länge des Oberrohrs bestimmt, wie gestreckt oder aufrecht das Kind auf dem Fahrrad sitzt. Eine allzu liegende Position, wie sie oft bei Rennradfahrern zu sehen ist, ist weder auf Dauer bequem, noch eignet sie sich generell für Fahranfänger. Ein bequemer, aufrechter, leicht nach vorne gebeugter Sitz ist hier die beste Variante. Mittels eines höhen- und neigungsverstellbaren Lenkers kann ein idealer Winkel (leicht gebeugte Arme) eingestellt werden. Die Breite des Lenkers sollte dabei maximal Schulterbreite haben.

Wichtig, wie immer: Probefahren!

Aber auch wenn am Ende in der Theorie alles passt, richtig ist und das neue Fahrrad in jeder Sicht perfekt erscheint – der „Coolness“-Faktor ist (nicht nur für Kinder) ebenso wichtig. Passen Farbe und Form zu den eigenen Vorlieben?

Zum Glück bietet die Zubehörindustrie zahlreiche Möglichkeiten zum Fahrrad „Pimpen“. Von Klingeln, Fahnen, Getränkehaltern bis hin zu Speichen-Klammern und Flatterbändern… der Individualisierung ist kein Ende gesetzt.

Ein Blick in unseren (Dauertest-) Fuhrpark

Kinder haben nicht nur unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, sie entwickeln sich auch komplett unterschiedlich. Das spiegelt sich deutlich in unserem Fuhrpark wieder. Ein Blick hinter die Kulissen:

  • Puky Wutsch:
    Trotz einer Mädchen-gerechten Ausrüstung mit Klingel und dem optionalen Gepäckkorb war das Pucky Wutsch bei unserer Tochter nicht sehr beliebt. Unser Sohn hingegen war – sobald er groß genug war, um darauf sitzen zu können – kaum mehr runter zu bewegen.
  • Three-Wheeler Roller:  — im Langzeit Dauertest
    Dreirädrige Scooter standen dagegen bei unserer Tochter schon immer – und immer noch – hoch im Kurs.
  • Bobby Car:  — in Dauergebrauch
    Jungs stehen einfach auf Autos. So ist das auch bei unseren Bobby Cars. Unsere Tochter benutzte das Bobby-Car hingegen eher zum Turnen.
  • Puky Laufrad:
    Mit dem Einsteiger-Modell sammelte unser Sohn recht früh seine ersten Erfahrungen mit dem Laufrad.
  • Kokua LIKEaBIKE Jumper:  — im Langzeit Dauertest
    Absoluter Favorit beider Kinder ist das Kokua Jumper Laufrad. Robust, schnell, bequem und vor allem mit einem breiten Einstellbereich ist das Kokua LIKEaBIKE eine klare Kaufempfehlung.
  • Specialized HotRock 16″ Girl in pink:
    Das erste echte Fahrrad unserer Tochter – sie hat es geliebt, nicht zuletzt, weil es echt cool aussieht. Für uns in den Bergen ist es allerdings zu schwer, selbst die kleinsten Anstiege endeten in Frustration.
  • Woom 4:aktuell im Test
    Das perfekte Rad für erste kleine Ausfahrten – niedriges Gewicht, eine tolle Geometrie, mit zwei leicht bedienbaren Handbremsen ausgestattet und acht Gängen, um auch jeden Hügel mit Leichtigkeit bezwingen zu können.

Und wenn die Kinder noch nicht so lange Strecken mit dem Rad schaffen?

Für den Fall lohnt es sich auf jeden Fall, einen Fahrradanhänger mitzunehmen. Notfalls lassen sich damit auf Nebenstrecken auch mal zwei Kinder und zwei Fahrräder ziehen:

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt unsere ehrliche und subjektive Meinung wieder. Wir wurden hierfür weder gesponsert noch sonstwie bezahlt. Der Artikel enthält aber Affiliate Links, die zur Finanzierung des Blogs beitragen. Wenn ihr über einen dieser Links einkauft, erhalten wir eine kleine Provision, euch kostet der Einkauf aber nicht mehr. Lest den Outdoor Blogger Kodex über unsere Transparenz-Richtlinien.

 

Kommentar verfassen