Traillauf in Kroatien, Wendelsteinrundfahrt

Nach Coburg ist sehr viel Ruhe in mein Training eingekehrt. Das ist sicherlich gut für den Makrozyklus, der hin und wieder Entspannungsphasen enthalten sollte. Das ist jedoch schlecht, wenn man sich zur Wendelsteinrundfahrt angemeldet hat und bisher noch keinen einzigen Radkilometer im Jahr hatte. Also schnell mal 70 km die Isar hoch und runter und danach drei Tage Wunden lecken. Ein wenig Laufen und ab in den Urlaub:

Kiloweise Schweinefleisch, literweise Bier, an der Küste Fisch und Weißwein. Training: Fehlanzeige. An der kroatischen Adriaküste zwischen Dubrovnik und Split hat mich somit eines Morgens das schlechte Gewissen gepackt und ich bin 7 Uhr raus, zum Strand gelaufen und dann weiter entlang der Küste auf einem fantastischen Trail gelandet. Der war leider nur 4 km lang – bis zur nächsten Strandpromenade mit viel Beton etc. Ein Blick auf eine Umgebungskarte enthüllte allerdings, dass sich in den umliegenden Bergen noch jede Menge solcher Trails verstecken. Als Belohnung kann man dann in die noch kaum besuchte Adria springen – gegen halb 9 ist bei den kroatischen Klimaverhältnissen die Abkühlung nach dem Laufen bereits sehr willkommen.

Weiteres Training nach der Rückkehr beschränkte sich auf 50 km Radfahren und 11 km Laufen. Ach egal: so eine Rundfahrt ist ja kein Wettkampf. Doch dann die Hiobsbotschaft: Inmitten der Hitzewelle ist genau ein Tag mit Regen und 15 Grad angekündigt – der Samstag. Mein Bruder schwankte noch kurz, ob er für so eine Quälerei aus Sachsen anreisen sollte. Gemeinsam haben wir uns dann dafür entschieden mitzufahren.

Die Anreise nach Au/ Bad Feilnbach (bei Bad Aibling) erfolgte dann bereits bei Dauerregen. Umziehen auf der Parkplatzwiese bei Dauerregen. Abholen der Startnummern bei Dauerregen. Anheften der Startnummern an Rad und Trikot – bei Dauerregen. Eine große Zahl der Radler stand dicht gedrängt und jedem erdenklichen Vordach. Auf was warten die? Dass sich der Wetterbericht doch geirrt hat? Wir brachen 7:45 auf zu Absolvierung der 115 km Strecke mit 1600 Höhenmetern bei, genau, Dauerregen.

Der Regen ließ tatsächlich ein wenig nach mit der Zeit. Die nasse Straße sprühte aber genug Wasser, so dass es egal war, ob das Wasser von oben oder von unten kommt. Meine wasserdichten Socken waren nach 5 Minuten von oben vollgelaufen. Im weiteren Verlauf des Rennens sollte das zu vollkommen taub-gefrorenen Zehen führen – ein Gefühl wie beim Skifahren. Passte auch gut zu den steifen und gefühllosen Fingern. Bei der ersten Abfahrt über 500 Höhenmeter hatte ich das Gefühl, man richtet einen Hochdruckwasserstrahl auf meine Brust. Müßig zu erwähnen, dass ich falsch angezogen war – dünnes Softshell statt regendichter Radjacke. Nach den Abfahrten dann die große Kälte im Körper und Sehnsucht nach Anstiegen: da wird einem wenigstens warm. Am wärmsten ist es dann auch auf einem Anstieg über 600 Höhenmeter über Tatzelwurm und Sudelfeldpass geworden. Von dort waren es dann noch 25 km ins Ziel, das wir nach 6h45min inkl. aller Pausen erreichten.

Ein Wort zur berühmten Wendelsteinverpflegung: toll. Auf der 115 km Strecke (es gab noch 50, 165 oder 215 km) gibt es zwei Verpflegungspunkte, wobei der erste relativ spät kommt (um die 50 km). Man sollte also die Flaschen voll und genug Riegel in den Taschen haben. An den Punkten wir man dann aber wirklich verwöhnt. Highlight sind das Rührei am ersten und die Kasspatzen am zweiten Verpflegungspunkt. Dazu gibt es immer Wurst- und Käsesemmeln, mehrere Sorten Kuchen, Joghurts und Bananen. Frucade kommt direkt aus dem Wasserhahn. Ganz besonders wichtig war bei den gestrigen Temperaturen, dass auch heiße Brühe und Tee bereitstanden. Im Ziel gibt es dann bayrisches Volksfest – dieses Jahr bei Dauerregen.

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