Pimp your Chariot / Thule: DIY Zubehör für den Kinderwagen

Der Markt für Kinderwagen und Fahrradanhänger ist riesig und unübersichtlich. Wer sich für einen Chariot / Thule – ob Einsitzer, Zweisitzer, CX, Cougar oder Cheetah, als Kinderwagen, Fahrradanhänger oder als all-in-one-Kindertransportmittel – entscheidet, macht dies aus ganz bestimmten Gründen: Meistens ist es die Suche nach einem hochwertigen, sicheren, gut gefederten, robusten und outdoortauglichen Gefährt. Man will ja schließlich weiterhin sportlich aktiv sein, auch mit Kindern.

Improvisieren statt kaufen

Nur hat dies leider seinen Preis. Selbst secondhand ist der Chariot / Thule kein Schnäppchen. Hinzu kommt die lange Liste an optionalem Zubehör. Einiges davon ist sinnvoll, anderes nett, vieles überflüssig, einiges kann man sich selbst zusammenbasteln, anderes gibt es nicht, könnte man aber ab und an mal gebrauchen.

Nach fünf Jahren intensiver Chariot / Thule CX1 und CX2 Nutzung können wir jedenfalls mit Sicherheit sagen: Es lässt sich viel improvisieren und damit bares Geld sparen, welches man am Ende wiederum in ein Upgrade vom Cougar zum CX stecken könnte, schon allein wegen der Handbremse (auf die schwören wir immer noch!).

10 Tipps für alternatives DIY Chariot / Thule Zubehör

Hier ein paar Ideen, wie sich der Chariot / Thule pimpen und optimieren lässt, ohne sofort das Original Zubehör kaufen zu müssen (sofern es das überhaupt gibt):

1) Autofußmatte gegen Schmutz und bei richtigem Schietwetter

Es gibt sie tatsächlich im Zubehör zu kaufen, Fußmatten für den Chariot / Thule. Eine alte Autofußmatte, die man sich selbst passend zurechtschneidet, erfüllt aber den gleichen Zweck. Bei unserem etwas betagterem Modell wurde die Fußmatte noch empfohlen, da der Wagen insbesondere im Fußraum bei richtigem Schietwetter nicht wirklich wasserdicht war. Die Matte ist aber auch eine riesengroße Hilfe, um zu verhindern, dass sich all die Krümel und der mitgebrachte Sand in die letzten Ritzen des Fahrgestells verirrt und leicht wieder nach draußen zu schaffen ist.

2) Getränkehalter Innenraum

Die Kinder finden es mindestens genauso toll wie ihre Eltern, wenn sie einen eigenen Getränkehalter haben. Wir haben einfach einen alten Thermo-Getränkehalter von Sigg mit Kletthalterung fürs Fahrradfahren befestigt, schon flog die Getränkeflasche nicht mehr ständig im Innenraum herum und unsere Tochter konnte sich selbst bedienen, wenn sie Durst hatte (übrigens lassen sich auch wunderbar Schätze darin verstecken, allerlei Kekskrümel leider auch).

Chariot_Getränkehalter_self-made

SIGG Thermo-Getränkehalter mit Klettbandhalterung aus dem Fahrradzubehör

3) Sockenpolsterung an den Schultergurten

Bei den neueren Modellen von Thule ab Baujahr 2013 ist die Gurtbefestigung an den Schultern anders gelöst, als es bei den alten Modellen von Chariot der Fall war. Ehemals waren die Riemen mit normalen Einfädelschlaufen verstehen. Das sorgte zwar für einen etwas erhöhtem Aufwand beim Umbau, jedoch waren so die Gurtbefestigungen sehr flach verbaut und gut geschützt.

In den neueren Modellen von Thule wurden für die Befestigung praktische Plastik-Clipper, wie man sie vom Rucksack her kennt, verwendet. Diese erleichtern zwar deutlich einen schnellen Ein- und Umbau der Gurte, jedoch gibt es ein paar Detailschwächen zu Lasten des Komforts. Wenn ein Kind im Kinderwagen sitzt und sich an der Kopfstütze anlehnt oder beim Einschlafen der Kopf leicht zur Seite kippt (was durchaus vorkommt), dann drücken genau diese Plastikverschlüsse auf den Hals und die Ohren des Kindes. Das ist zwar nicht sicherheitsrelevant, jedoch reichlich unbequem und unangenehm. Um hier für eine minimale Polsterung und Schutz zu sorgen, haben wir dicke alte Kindersocken über die Clipper gestülpt.

4) Lammfellsack statt Original Thule Fußsack

Nein, es muss kein Original Thule Winterfußsack sein. Auch andere Fußsäcke passen in den Chariot / Thule hinein, sogar zwei nebeneinander. Einfach mal auf dem Flohmarkt oder bei diversen Secondhand-Anbietern schauen und vor allem ausprobieren. Da lässt sich viel Geld sparen! Am liebsten war unseren Kindern ihr Lammfellsack, den sie von ihren großen Cousins geerbt haben. Er war so kuschelig, dass wir dessen Unterteil fast das ganze Jahr über im Wagen gelassen haben. Dazu gab es noch einen Eisbär Fußsack – nicht ganz so warm, aber an den meisten Tagen im Winter ebenfalls ausreichend.

5) Isomatten zur Isolierung im Winter

Wer seinen Chariot-Thule als Kinderwagen oder Skianhänger auch im Winter verwendet, der sollte über eine zusätzliche Isolierung des Innenraums nachdenken. So wichtig und praktisch die luftige und atmungsaktive Bauweise im Sommer ist, um für ausreichend Kühlung im geschlossenen Wagen zu sorgen, so schnell geht im Winter auch die Wärme im Wagen verloren. Es ist natürlich verkehrt, den Wagen hermetisch abzuschließen und luftdicht zu verpacken, jedoch schadet eine Isolationsschicht unter der Sitzfläche und am Rücken nicht.

Hierfür haben wir eine alte Isomatte zurechtgeschnitten und mit passenden Gurtdurchführungen versehen. So waren die Kinder von unten und hinten gegen kalten Wind und die Abstrahlungskälte des Schnees bestens geschützt. Wir Erwachsenen kennen den Unterschied, wo man lieber sitzt: Im Winter auf einer Parkbank ohne Isolierung oder auf einem Thermo-Sitzkissen. Ich für meinen Teil kann die Frage sehr leicht beantworten. Aus dem Rest der Isomatten hatten wir uns Sitzkissen gebastelt, die stets im Kofferraum für spontane Picknick-Pausen gelagert waren.

6) Gepäcktasche für Kleinkram und Wertsachen

Bei unserem CX1 hatten wir uns als Extra-Zubehör die Kindergepäcktasche gegönnt – und geliebt! Was da alles an Kleinkram und Wertsachen hineingepasst hat! Beim CX2 war das Budget dann leider erschöpft und wir haben mit einem alten Mammut-Kinderrucksack improvisiert, den wir am Bügel angebracht haben. Das ging genauso gut und fühlte sich viel mehr nach Outdoor-Abenteuer an.

7) DIY Beckengurt im CX2

Ein großer Vorteil unseres alten Chariot CX1 gegenüber dem neuen Chariot / Thule CX2 war der Gurt. Die neuen Modelle haben alle einen stabilen Fünfpunkt-Gurt, wodurch zwar die Sicherheit erhöht wird, aber Flexibilität verloren geht. Beim alten CX1 konnte man das Kind nämlich auch einfach nur mit dem Beckengurt anschnallen, sodass es im Wagen aufrecht sitzen, sich bewegen und rausschauen konnte, ohne, dass man Sorge haben musste, dass es gleich aus dem Wagen klettert.

Beim neuen CX2 Modell haben wir uns unseren Beckengurt dann einfach selbst gebastelt, indem wir ein Gepäckband mit Clipper auf Hüfthöhe befestigt haben. Die Beckengurt-Option sollte natürlich nur im gemütlichen Kinderwagen-Modus und nicht im Fahrrad-Modus verwendet werden.

8) Erhöhte Sichtbarkeit am Abend

Ja, der Chariot / Thule hat Reflektoren, welche die Sichtbarkeit im Straßenverkehr erhöhen. Für abendliche Ausflüge haben wir dennoch zusätzliche Leuchten angebracht, und zwar am Haltegriff jeweils ein Frog-Vorder– und Rücklicht. Im Herbst/Winter haben wir außerdem vorne immer ein oder zwei Stirnlampen befestigt, die wir bei Bedarf (z.B. spontaner abendlicher Ausflug zum Spielplatz) auch den Kindern geben können. So fühlt es sich noch sicherer an und die Kinder waren immer gut zu sehen.

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9) Fahrradklingel für schnelle Laufrunden in der City

Wer mit dem Chariot / Thule auch zu Fuß schnell unterwegs ist, dem sei eine Fahrradklingel ans Herz gelegt. Das mag etwas übertrieben klingen, aber denken wir mal an einen schönen Sonntagnachmittag, wenn die Parks und Wege voller Spaziergänger sind (überfüllter Westpark oder Flauchersteg in München), und die Kinder im Wagen kräftig „aus der Bahn“ rufen. Eine Fahrradklingel kann in solchen Momenten Wunder bewirken – oder auch zu wahren Schimpftiraden führen… jedenfalls führt das Klingeln dazu, dass sich etwas bewegt.

10) Skateboard oder Roller als Alternative zum Buggyboard

Viele große Geschwisterkinder dürfen ja mit Buggyboard beim kleinen Geschwisterchen mitfahren. Meistens war unsere Große ganz zufrieden, wenn sie bei ihrem kleinen Bruder im Wagen sitzen durfte, aber manchmal wollte sie dann auch so ein „Surfbrett“ haben, wie sie das Buggyboard immer nannte. Für die paar Mal „surfen“ kann man auch hier herrlich improvisieren. Alles, was man dazu braucht, sind ein Seil und, je nach Geschmack, ein Skateboard oder ein Kinderroller.

Variante Skateboard:

Wir haben auf dem Flohmarkt ein Skateboard ergattert und dieses mit einer Seilkonstruktion am Chariot / Thule befestigt. Ein doppelter Schlag um die Achse des Skatesboards fixiert das Brett ausreichend. Im Anschluss haben wir das Seil durch die Öffnung des Kofferraums gezogen um zu verhindern, dass beim Bremsen das Board unter den Wagen rollt und das darauf stehende Kind runterfällt.

Variante Roller:

Bei der Roller-Variante wird ein gewisses Können vom großen Kind vorausgesetzt, denn Lenken und Bremsen muss es allein. Aber ist es nicht herrlich, wenn man einfach auf dem Roller stehen kann und gezogen wird?

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Chariot / Thule gesammelt? Wo und was habt ihr improvisiert, geschraubt, verändert oder verschönert? 

2017-07-28T11:19:45+00:00

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